Mitbestimmung in Schulen

Die UN-Kinderrechtskonvention schreibt in Artikel 28 fest, dass jedes Kind und jede_r Jugendliche das Recht auf Bildung hat. Nun denken wahrscheinlich alle an den „Pflichtbesuch“ der Schule, bis die Regelschulzeit erfüllt ist. Allerdings umfasst das Recht auf Bildung viel mehr. Schule ist ein Ort der Meinungsbildung, ein Ort der Wertebildung, ein Ort der Kompetenzbildung und ein Ort der Charakterbildung. Um den vielfältigen Ansprüchen des Bildungsbegriffs gerecht zu werden, reicht es nicht, wenn Schüler_innen durch Lehrer_innen Stoff vermittelt bekommen. Vielmehr geht es darum, den_die Schüler_in als eigene_n Gestalter_in des Bildungsprozesses zu sehen und als solche_n auch mit in die Entwicklung der Schulstrukturen, Rahmenbedingungen und Unterrichtsgestaltungen einzubeziehen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Schüler_innen, die immerhin die größte Interessengruppe in einer Schule darstellen, von Lehrer_innen, Schulsozialarbeiter_innen, Elternvertretung und Schulleitung in ihren Anliegen ernst genommen werden und alle Beteiligten auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Fühlen sich Kinder und Jugendliche in ihren Interessen innerhalb der Schule berücksichtigt, lernt es sich gleich viel besser!


Wo könnt ihr euch in der Schule beteiligen, mitgestalten und mitbestimmen?

In der Schule, unabhängig des Schultyps, gibt es vielfältige Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Beispielweise könnt ihr der_die Klassensprecher_in oder Schulsprecher_in werden und die Interessen aller Schülerinnen und Schüler eurer Klasse/Schule vertreten. Neben dem_der Schüler_innensprecher_in setzt sich die Schüler_innenvertetung (SV) für eure Interessen ein und vermittelt bei unterschiedlichen Vorstellungen oder Problemen zwischen Schüler_innen, Lehrer_innen, Direktor_innen und Eltern. In manchen Schulen gibt es auch das Recht, delegierte Schüler_innen in die Schulkonferenz zu schicken. Wichtig ist aber, dass eure Aufgabe als Interessenvertretung der Schüler_innen ernst genommen wird, eure Meinung gehört wird und ihr ein echtes Mitbestimmungsrecht habt.

Neben diesen oftmals etablierten Formen der Partizipation können Beteiligung und Mitbestimmung auch im Schulalltag stattfinden. Beispielsweise durch eure Einbeziehung in die Gestaltung des Schulgebäudes, der Klassenräume oder des Schulhofes. Die Frage nach dem Zielort für die nächste Klassenfahrt sollte ebenfalls eine gemeinsame Entscheidung sein und nicht von eurem/eurer Lehrer_in vorgegeben werden. Partizipation im Unterrichtsalltag bedeutet beispielsweise Projekttage eigenständig zu planen, Referent_innen in den Unterricht einzuladen oder eine Exkursion in Angriff zu nehmen. Die Mitsprache in der Unterrichtsentwicklung bewirkt nicht nur ein Miteinander, sondern auch, dass der zu lernende Stoff interessanter und somit einprägsamer wird.

Mit der Umstellung der Schulen auf den Ganztag ist es natürlich besonders wichtig, dass ihr selbst sagen könnt, wie ihr euch eure Nachmittagsangebote vorstellt und welche Vereine zum Beispiel zur Kooperation für Freizeitangebote anfragt werden sollten. Darüber hinaus sollte es die Möglichkeit geben, eigene Nachmittagsprojekte, die eurer Lebenswelt entsprechen, durchführen zu können.  

Partizipation kann in jeder Schulform und unabhängig des Alters der Schüler_innen stattfinden! Allerdings ist darauf zu achten, dass Partizipationsprozesse nicht als zusätzliche Arbeit aufgebürdet werden, sondern ihr selbst, wenn gewünscht mit Unterstützung seitens der Lehrer_innen, diese initiieren könnt.

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